Natura 2000

Foto: Fischotter
Foto L. Wölfel

Wer kennt sie nicht, die liebevoll als „Spatzen“ bezeichneten Haussperlinge, die ursprünglich fasst überall im städtischen Bereich anzutreffen waren und manchmal auch versuchten, den Passanten die letzten Brotkrumen ihres Imbisses streitig zu machen!
Aber ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Anzahl dieser munteren Zeitgenossen in letzter Zeit deutlich zurückgegangen ist. Vor allem in unserem Nachbarland den Niederlanden finden sie nicht mehr genügend Brut- und Nahrungsplätze.
Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen Tier- und Pflanzenarten; so hat sich die biologische Vielfalt in den letzten 50 Jahren verringert: U.a. Vögel wie Kiebitz und Rotschenkel, die bei manchem Wiesenspaziergang zu sehen waren, sind gegenwärtig deutlich seltener zu beobachten und ca. 64 Pflanzenarten, die nur in Europa vorkamen, bereits ausgestorben.

Dabei sind Ursachen des Artenrückganges bekannt. Die Nutzung unserer Landschaften hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Zum einen schuf sie in der Vergangenheit beispielsweise wie ganz nebenbei blütenreiche Wiesen und Weiden mit einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Zum anderen wird heute Weideland zunehmend in Ackerland umgewandelt und intensiviert. Eine große Gefahr für die Artenvielfalt geht hierbei von der Jahrzehnte andauernden Überdüngung der Landschaften aus. Trotz Reglementierungen gelangen häufig mehr Nährstoffe in die Böden, als von Pflanzen aufgenommen werden können. Auch die Einflüsse aus der Luft sind nicht unerheblich. Durch die Nährstoffeinträge werden die feinen Unterschiede der Landschaften immer mehr angeglichen und unsere Landschaft wird eintöniger. Schließlich ist auch das Zerschneiden der Landschaft durch zahlreiche Straßen und Energietrassen problematisch, da hierdurch die Wanderwege vieler Tierarten gestört werden.

Dabei gibt es kaum einen Menschen, der die vielfältige Natur nicht genießt und sich z.B. bei einem Spaziergang am Ostseestrand oder einer Wanderung über blühende Sommerwiesen nicht erholt! Umfragen haben gezeigt, dass naturschöne Landschaften und sogar der Gedanke daran bei mehr als 80 Prozent der Befragten Wohlbefinden auslösen.

Mit dem Beschluss der EU-Staaten, ein europaweites ökologischen Netz „Natura 2000“ zu schaffen, wird auch in Mecklenburg-Vorpommern die natürliche Heimat von der komplexen Landschaft bis zum kleinsten Lebewesen für uns und zukünftige Generationen erhalten. Zu diesem Netz gehören sowohl die Fauna (Tierwelt)- Flora (Pflanzenwelt) – Habitat-Gebiete (Lebensraum (FFH)) als auch die Europäischen Vogelschutzgebiete. „Natura 2000“ steht für einen verantwortungsbewussten Umgang mit unserem Naturerbe, bei dem die biologische Vielfalt, die wir gerade im Natururlaub und auf erholsamen Spaziergängen so schätzen, durch die Ausweisung eines europäischen Schutzgebietssystems und eine regelmäßige Erfolgskontrolle dauerhaft gesichert wird.

Karte mit einem Überblick über die Natura 2000 Gebiete in MV [PDF 1,7 MB]

Die Ausweisung eines solchen europaweiten Schutzgebietssystems bedeutet aber keinesfalls, dass diese Gebiete nicht mehr betreten oder bewirtschaftet werden können. Wirtschaftliche Projekte und schonende Landnutzung sind hier unter Berücksichtigung der Schutzziele auch weiterhin möglich.
Mit Hilfe verschiedener Maßnahmen zur Pflege, Erhaltung und Entwicklung wird bewirkt, dass intakte Natura 2000 Gebiete erhalten bleiben und sich die Lebensraumqualität gestörter Gebiete verbessert.
Dies kommt neben den gefährdeten Arten nicht nur den einheimischen Erholungssuchenden, sondern ebenfalls den Urlaubern zugute. Die Bedeutung des Naturschutzes als Wirtschaftsfaktor wurde auch vom ehemaligen Bundespräsident Horst Köhler in einer Rede am 29. Oktober 2006 in Dresden hervorgehoben: „Studien belegen, dass Naturschutz gerade auch in strukturschwachen Regionen Einkommen sichert und Arbeitsplätze schafft. Biosphärenreservate und Naturparke ziehen Millionen Touristen an, die auch Geld mitbringen. ... An der Müritz zum Beispiel hätten die Besucher des Nationalparks über 13 Millionen Euro in der Region gelassen und damit geholfen, rund 630 Arbeitsplätze zu sichern.“ Die besonderen Naturschönheiten der eben angeführten Nationalen Naturlandschaften bestehen zumeist aus Natura 2000 Flächen.

Um auch für künftige Generationen Naturlandschaften mit vielfältigen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, müssen wir Menschen lernen, uns wieder als Teil der Natur zu sehen und den Lebensraum zu teilen.
Ein Biber zum Beispiel sieht im Grunde die Landschaft nicht anders als wir. Auch er möchte sie nutzen und gestalten, indem er beispielsweise aus Bäumen einen Damm baut, der einen Bach zu einem kleinen See staut und ihm ermöglichst, einen geeigneten Wohnraum anzulegen.

Damit „Natura 2000“ wirksam zum Erhalt der vielfältigen natürlichen Reichtümer Europas beitragen kann, bedarf es unseren täglichen bewussten Handelns gegen die Zerstörung der Natur überall dort, wo es Alternativen gibt: Sei es beispielsweise durch die Schonung alter Bäume in den sanierten Hinterhöfen, die so mancher Tierart Unterschlupf und Nahrung bieten. Oder sei es durch den Kauf ökologisch produzierter heimischer Lebensmittel, die durch schonende Landnutzung mit behutsamer Düngung und unter Verzicht auf Pestizide gewonnen werden. …

Im Folgenden sollen aus einer Vielzahl gefährdeter Arten einige wenige Tiere, Pflanzen und Lebensräume vorgestellt werden:

TierePflanzenLebensräume
FischotterTrollblumeKüstengewässer- und
Unterwasserlebensräume
WeißstorchLeberblümchen

Informationen erhalten Sie

in der Broschüre „Natur erleben, Naturschutz verstehen – Natura 2000“ (Das europäische Naturschutznetz in M-V mit Wandertouren), hrsg. Vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV, Obotritendruck, Schwerin 2008

sowie unter folgenden Weblinks

des Landes Mecklenburg-Vorpommern:

Ministerium für Landwirstschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V
www.lu.regierung-mv.de (Themen/Naturschutz und Landschaftspflege)

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V
http://www.lung.mv-regierung.de (Fachinformationen/Natur und Landschaft)
http://www.natur-mv.de (Natura 2000)

der Bundesrepublik Deutschland:
http://www.bfn.de/0316_natura2000.html

der Europäischen Union (englisch, teilweise in deutsch):
http://ec.europa.eu/environment/nature/home.htm