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4. Oktober 2010
Biosphären-Bahnhof-Brahlstorf - „Das hört sich gut an!“

Am 29. September fand im Brahlstorfer-Hof die erste Informationsveranstaltung zum Projekt statt, welches beispielhaft und richtungsweisend für die Weiterentwicklung des mecklenburgischen Naturparks zu einem Biosphärenreservat nach Landesrecht sein kann: Der „Biosphären-Bahnhof-Brahlstorf“. Dazu eingeladen hatte Gerhard Wartmann, Brahlstorfs engagierter und ehrenamtlicher Bürgermeister. Gekommen waren ca. 25 Bürger aus Brahlstorf und Umgebung, denen dank verschiedener Erläuterungen und Präsentationen zur Zukunft des Brahlstorfer Bahnhofs, aber auch durch die eigene aktive Beteiligung mit Wünsche und Ideen bewusst wurde, welches Potential ein Biosphärenbahnhof für die ganze Region haben kann.
Den Worten von Wartmann nach, zeigt die Idee des Biosphärenbahnhofs bereits erste erkennbare Früchte, denn Mitte Oktober soll der Baubeginn des Park&Ride-Parkplatzes auf dem Gelände der Deutschen Bahn erfolgen, der zu 100 Prozent vom Land M-V finanziert wird. Nicht ganz klar ist übrigens, von wem die Idee des Biosphärenbahnhofs stammt und wann sie erstmals auftauchte. Während der ersten gemeinsamen Radtour der Landräte Christiansen (Ludwigslust) und Nahrstedt (Lüneburg) im Spätsommer 2009 vom Landschaftspark Dammereez zur Pretener Storkenkate war der Bahnhof Brahlstorf jedenfalls ein ausführliches Thema. Daraus entwickelt hat sich eine sehr aktive Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den umliegenden Gemeinden und Betrieben, den Landkreisen Ludwigslust und Lüneburg, der Biosphärenreservatsverwaltung, der Deutschen Bahn, dem Wirtschaftsministerium MV, der Tourist-Info Amt Neuhaus und der Flusslandschaft Elbe GmbH, die im vergangenen halben Jahr bereits sieben Mal zusammen kam. Erfreut zeigt sich der Bürgermeister auch an dem signalisiertem Interesse der regionalen Wirtschaft namens „Schuhmanufaktur Lange“, Schwechower Obstbrand und Holzkontor Kuhlenfeld, denn „ohne solche Partner und allein mit Förderungen wird es nicht gehen“.
Dessen ist sich auch Anke Hollerbach, Dezernentin für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-MV, bewusst. Sie blickte einführend auf die wechselhafte Historie des Bahnhofs zurück, stellte die aktuelle Nutzung des Bahnhofs dar und wagte die ersten Blicke in die Zukunft des Brahlstorfer Bahnhofs. „Zur Zeit nutzen schon etwa 160 Pendler aus den beiden Landkreisen den Bahnhof; die Busanbindung in die Umgebung dagegen lässt leider sehr zu wünschen übrig“. Aus Sicht der Arbeitsgruppe soll der Bahnhof mit seinem Umfeld zukünftig als etwas „Positives“ wahrgenommen werden, sollen mehr Angebote zur – vor allem nachhaltigen – Mobilität und mehr Informationsmöglichkeiten zu den regionalen Sehenswürdigkeiten zwischen Boizenburg und der Festung Dömitz, dem Amt Neuhaus, dem Biosphärenreservat Schaalsee und Hagenow geschaffen werden. „Die erste Informationsveranstaltung für die Bürger ist auch gleichzeitig die erste ‚Bürger-Befragungsrunde‘, um den umliegenden Gemeinden eine frühe Möglichkeit der Mitsprache und Ideenentwicklung zu bieten“, so Anke Hollerbach.
Die weitere Moderation des Abends übernahmen daher die jüngst für die Entwicklung eines Grobkonzepts beauftragten „Profis“ Kommunikationsfachfrau Annegret Kühne aus Lüneburg und der Industriedesigner Rene Enter aus Bad Freienwalde. Anhand der Fragen „Was bieten Brahlstorf und die Region bisher?“ und „Was könnte sie in Zukunft bieten?“ wurden wichtige Punkte von Seiten der Bürger beleuchtet und mögliche Chancen, Risiken und Wünsche zu Papier gebracht. Als besonders wichtige Themen kristallisierten sich dabei die Nutzung der idealen Anbindung von Brahlstorf zu Deutschlands beliebtesten Fernradweg, dem „Elberadweg“ heraus. Wenn es gelingt, die vielen kleinen kulturhistorischen und touristischen Ausflugsziele, z.B. den Dammereezer Park, das Waldbad Vellahn, den Speicher in Düssin, die Feldsteinkirche in Marsow, das Gut Schwechow, die Storkenkate Preten und die Teldau zukünftig zu vernetzen, wären mehrtägige Radrundtouren zu den Bahnhöfen Boizenburg oder Ludwigslust nicht nur für Kurzurlauber aus Hamburg ideal. Als besonders wünschenswert empfänden die Akteure neben dem „Mehr!Grün!“ am Bahnhof das Aufleben regionaler Höhepunkte wie z.B. des Historischen Weihnachtsmarktes oder Aktionen an der Bruchmühle. Passend dazu steht die Hoffnung und der geäußerte Wunsch: „Brahlstorf erwacht aus dem Dornröschenschlaf!“. Dessen ist sich Bürgermeister Wartmann recht sicher und bittet die Anwesenden bis zur zweiten Informationsversammlung: „Sprechen Sie auch ihren Nachbarn an, damit möglichst alle sich einbringen!“