zurück
23. Mai 2002
Wanderfalke wieder als Brutvogel in Wäldern des Müritz-Nationalparkes

Zweiter Brutplatz in Mecklenburg-Vorpommern

Im Müritz-Nationalpark hat sich erneut ein Brutpaar des seltenen Wanderfalken eingefunden. Bereits im letzten Jahr konnten Wanderfalken im Gebiet beobachtet werden. Ihre diesjährige Wiederkehr lässt den Schluß zu, dass das Paar mittlerweile heimisch ist.

Früher hatten baumbrütenden Wanderfalken hier in der Region des heutigen Nationalparkes ihren Verbreitungsschwerpunkt, doch seit drei Jahrzehnten gab es in der gesamten norddeutsch-polnischen Tiefebene keine Wanderfalken mehr. Die entscheidende Ursache für das Aussterben der Art in weiten Teilen Europas war nach dem 2. Weltkrieg der großflächige Einsatz von Bioziden wie z.B. DDT in Land- und Forstwirtschaft. Die Tiere nahmen die Rückstände der Schadstoffe mit der Nahrung auf und diese bewirkten eine Dünnschaligkeit der Eier und in Folge ein Absterben der Embryonen.

Im letzten Moment gelang aber die erfolgreiche Vermehrung in Gefangenschaft bei biozidfreier Ernährung. Auf diesem Weg kamen vom Deutschen Falkenorden (DFO) vor allem aus der Zuchtvoliere von Prof. Saar in Hamburg viele nachgezogene junge Wanderfalken in Wiedereinbürgerungsprojekten zum Ausfliegen. Seit 1990 existiert ein vom Arbeitskreis Wanderfalkenschutz (AWS) e.V. initiiertes Projekt zur Wiederansiedlung baumbrütender Wanderfalken mit einer Auswilderungsstation bei Lychen in Brandenburg sowie bei Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und bei Dessau in Sachsen-Anhalt. Die Station bei Parchim wird in Regie des Landesjagdverbandes M-V betrieben.

Das jüngste Paar im Nationalpark ist die sechste erfolgreiche Ansiedlung und die zweite in Mecklenburg-Vorpommern. Der andere Brutplatz im nordöstlichsten Bundesland befindet sich bei Parchim.
Die neu angesiedelten Paare finden in der naturnahen Landschaft der nordostdeutschen Länder, vor allem im Müritz-Nationalpark und in den Großschutzgebieten in Brandenburg geeignete und geschützte Lebensräume.

Nach Einschätzung des AWS sind weiterhin spezielle Artenschutzmaßnahmen notwendig. So ist beispielsweise eine weitere wissenschaftliche Begleitung ratsam, eventuelle Störungen sind auf jeden Fall zu minimieren und weitere Auswilderungen angebracht. Bezüglich der Auswilderungen gibt der AWS das Ziel einer Starterpopulation von ca. 20 Brutpaaren an, damit eine Ausbreitung in dem riesigen ehemaligen Lebensraum wieder möglich gemacht wird.

„Dem Brutpaar des imposanten Greifvogels wird selbstverständlich im Nationalpark der bestmöglichste Schutz zuteil werden.“ betonen Herr Prof. Dr. Wolfgang Kirmse vom Arbeitskreis Wanderfalkenschutz und Hendrik Fulda, Pressesprecher des Nationalparkamtes Müritz unisono. Fulda ergänzt: „Die Wiederansiedlung des Wanderfalken ist ein deutliches Zeichen für die erfolgreichen Schutzbemühungen im Müritz-Nationalpark und zugleich gewissermaßen Ehrung für alle im Naturschutz Engagierten vor Ort.“