zurück
29. März 2007
Waschbären im vorzeitigen „Liebesrausch“

Das im März 2006 gestartete Waschbär-Forschungsprojekt im Müritz-Nationalpark läuft derzeit auf Hochtouren. Mittlerweile 29 mit UKW-Halsbandsendern markierte Tiere liefern Tag und Nacht tiefe Einblicke in das Privatleben der Kleinbären. Die dreijährige Studie der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V. zur Populationsökologie des Waschbären wird in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und dem Nationalparkamt Müritz durchgeführt.

Die diesjährige Wetterlage lässt selbst die äußerst anpassungsfähigen Minipetze nicht kalt. Früher als gewöhnlich im März – nämlich bereits Anfang Februar - machten sich die Vierbeiner auf die Suche nach einem geeigneten Fortpflanzungspartner. Nach einer praktisch nicht vorhandenen Winterruhe starteten die Tiere gut genährt ins neue Jahr und konnten sich voll und ganz den wirklich wichtigen Dingen widmen. Das emsige Treiben der Rüden wurde erstmalig auch durch ein umfangreiches Fotofallen-Monitoring dokumentiert. Die individuelle Erkennung der markierten Tiere ist hierbei durch unterschiedliche Kennzeichnung mit Farbmarkierungen möglich.
Ob dieser frühe Hochbetrieb auch einen Einfluss auf den Nachwuchs hat, bleibt noch abzuwarten. Erst im Juli werden die im April geborenen Nachwuchskletterer gemeinsam mit ihrer Mutter durch die Wälder streifen. Dann wird sich zeigen, inwiefern die vorzeitige Paarungszeit auch fruchtbar war.

Der in den 30iger Jahren bewusst eingeführte Neubürger ist längst heimisch geworden und hat unter anderem auch in seinem ostdeutschen Verbreitungsgebiet einen idealen Lebensraum vorgefunden. Ob diese Etablierung die vielfach befürchteten negativen Auswirkungen auf die einheimische Fauna auch wirklich mit sich bringt, ist bislang noch nicht untersucht und daher auch ein integraler Bestandteil dieser Studie.

Mit Hilfe regelmäßig gesammelter Exkrementproben sind Aussagen zum Speisezettel des nachtaktiven Raubsäugers möglich. „Die unverdauten Nahrungsbestandteile im Waschbärkot geben detaillierte Auskunft über das saisonale Nahrungsspektrum des Allesfressers“, so Projektleiter Frank-Uwe Michler.

Kontakt: Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V., „Projekt Waschbär“,
Goldenbaum 38, 17237 Carpin, Tel.: +49 (0) 39821/41382, Fax: +49 (0) 39821/41539, info@projekt-waschbaer.de, www.projekt-waschbaer.de