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20. Dezember 2006
Untersuchungsergebnisse der Käferfauna auf Windwurfflächen im Müritz-Nationalpark liegen vor – auch Neufunde für Mecklenburg sind darunter

Durch die Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald wurden die ökofaunistischen Folgen von Windwurfereignissen im Müritz-Nationalpark über mehrere Jahre untersucht. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler auf die Erfassung der Käferfauna.

Um das gesamte Artenspektrum zu erfassen wurden auf zwei Flächen verschiedene Fallentypen eingesetzt: Kronenfallen und weiße Schlitzfallen, Fensterfallen sowie Farbschalen im Kronenraum und in Bodennähe.

Auf den Untersuchungsflächen bei Federow (Landkreis Müritz) wurden 2004 und 2005 etwa 260 Arten aus 58 Familien in den Kronenfallen gefangen.
Bei Babke (Landkreis Mecklenburg-Strelitz) gingen 2004 genau 203 Arten aus 51 Familien in die Kronenfallen. In den übrigen Fallen konnten hier 143 Arten aus 46 Familien nachgewiesen werden.

Im Gegensatz zu Vergleichsdaten aus dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wurden im Müritz- Nationalpark deutlich höhere Individuenfangzahlen erreicht. Man fand vor allem auf Holz spezialisierte (xylophage), meist kleine Borkenkäfer, die die Kronenregion der Kiefernwindwürfe nutzen und als typische Vertreter das natürliche Sukzessionsgeschehen nach dem Auftreten von Totholzstrukturen im Kronenbereich repräsentieren.
Daneben konnte ein großer Anteil pilzzüchtender Arten (mycetophage), die durch ihre Lebensweise maßgeblich zur Holzzersetzung in Waldökosystemen beitragen, festgestellt werden.

Die Individuenzahlen auf allen Windwurfstandorten lagen deutlich unter denen der ungestörten Vergleichsflächen. Das Fehlen noch stehender hoher Bäume mit ihrer Kronenschicht nach Windwürfen ist hier die Ursache. In den Wipfelregionen der ungestörten Vergleichsflächen war jeweils eine etablierte und vielseitige Käferlebensgemeinschaft anzutreffen, während jene der untersuchten Windwurfgebiete stark gestört war.

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen konnten zahlreiche bemerkenswerte Funde verzeichnet werden: 63 Arten aus 29 Käferfamilien finden sich in der Roten Liste der Käfer Deutschlands wieder. Die am meisten gefährdeten Arten gerieten auf den Windwurfflächen bei Federow in die Fallen: 3 Neufunde sowie 8 weitere Wiederfunde seltener Arten für das Land Mecklenburg-Vorpommern!